Brähmig: Interview über BDV, Stiftung und Erika Steinbach
15. März 2010 Standpunkt
Herr Brähmig, Sie sind vom Bundestag in den Rat der Stiftung “Flucht, Vertreibung, Versöhnung” gewählt worden. Der Streit um das Gremium, der sich insbesondere um die Rolle der Chefin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, drehte, ist beigelegt.Sind Sie zufrieden?
Der Kompromiss entspricht größtenteils den Vorstellungen, die ich zusammen mit der vertriebenenpolitischen Arbeitsgruppe der Unionsfraktion entwickelt habe. Wir wollen die Novellierung bis zur Sommerpause im Bundestag umsetzen.
Wann wird die geplante Ausstellung, das “sichtbare Zeichen”, sichtbar sein?
Ich hoffe, dass sie zum Ende der Legislaturperiode eröffnet werden kann. Da laut Kompromiss die Nutzungsfläche der Stiftung erweitert wird, muss zunächst das Konzept für Dauer- und Wechselausstellung überarbeitet werden. Welche Überraschungen wir bei der Sanierung des denkmalgeschützten Deutschlandhauses erleben werden, bleibt abzuwarten.
Viele Vertriebene haben in ihrer früheren Heimat längst Freundschaften mit Polen und Tschechen geschlossen. Sind sie in Sachen Versöhnung weiter als der BdV?
Es wird oft vergessen oder gar verneint, dass Erika Steinbach es war, die als BdV-Präsidentin etwa bei Eigentumsfragen die Nulllösung ins Spiel brachte oder eine große Veranstaltung zum Warschauer Aufstand initiierte. Die Versöhnung würde enorm vorankommen, wenn einige osteuropäische Nachbarn mit dieser Empathie ihre eigene Geschichte bezüglich der Vertreibungen aufarbeiten könnten.
Es gibt Verwirrung um die Mitgliedszahlen im BdV. Angeblich sind es nur noch 550.000 und nicht wie bislang angenommen zwei Millionen. Wird die Position des BdV durch die neuen Zahlen geschwächt?
Im BdV sind 21 Landsmannschaften und 16 Landesverbände zusammengeschlossen, aufgrund deren Struktur es keine unmittelbar natürlichen Mitglieder gibt und folglich alle Zahlen auf Schätzungen beruhen. Selbst wenn es nur eine gute halbe Million wären, hätte der BdV mehr Mitglieder als die Volksparteien SPD oder CDU. Die Anliegen der Millionen deutschen Heimatvertriebenen und ihrer Angehörigen – aktuelles Stichwort Kriegskinder – bleiben dessen ungeachtet gesellschaftspolitisch relevant.
Das Interview führten Götz Hausding und Monika Pilath.
Teil 2: “Tourismus und sein Potential”, folgt nächste Woche.
Quelle: Wochenzeitung “Das Parlament”
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