Stanislaw Tillich würdigt Prager Botschaftsflüchtlinge

Stanislaw Tillich, Ministerpräsident aller Sachsen

Stanislaw Tillich, Ministerpräsident aller Sachsen

Feierlicher Empfang zur Friedlichen Revolution

“Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…” – diese berühmten Worte vom Balkon des Palais Lobkowicz, der Deutschen Botschaft in Prag, gesprochen vom damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, die unter dem stürmisch einsetzenden Jubel nie vollendet werden konnten, sind heute in Messing graviert auf dem Balkon zu lesen.

Diese Worte, eine Botschaft die 4.000 DDR-Bürger zum jubeln brachte, die große Hoffnung zu den verbliebenen DDR-Bürgern in die Heimat trug und maßgeblichen Anteil am Wandel der deutschen Geschichte hatten.

(Prag) Anlässlich des 20. Jahrestag der Ereignisse, weilte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher und der CDU-Politiker und Kanzleramts-Chef a.D. Rudolf Seiters sowie ehemalige Botschaftsflüchtlinge gestern bei einem feierlichen Empfang in Prag.

Gemeinsam mit den Zeitzeugen erinnerten sich die Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft des Mutes den die Botschaftsflüchtlinge und die Botschaftsangestellten, aber auch die medizinischen Kräfte sowie zahllose tschechische Helfer in dieser Zeit bewiesen.

 

Es war zum einen ein großer Schritt für die persönliche Biografie jedes Einzelnen. Aber es war vor allem ein großer Schritt für den gesamten politischen Umbruch in Deutschland,
so Stanislaw Tillich über das Resultat der
Prager Ereignisse.

Bei seiner Rede würdigt Tillich dann auch insbesondere den Mut und die Entschlossenheit der Botschaftsflüchtlinge, die ihr eigenes Schicksal in die Hand nahmen: “Sie sind ins Ungewisse aufgebrochen. Und sie kamen tatsächlich in der Freiheit an.

Mit dem viele tausend Male gefällten Entschluss, die DDR hinter sich zu lassen, in die Tschechoslowakei zu reisen und in die Botschaft zu fliehen, hat jeder Einzelne unter ihnen Geschichte geschrieben.

Viele Prager haben DDR-Flüchtlinge unterstützt. Die tschechischen Behörden haben sie in die Botschaft hinein und nach Ungarn hinaus in die Freiheit gelassen. Botschaftsangehörige und Helfer des Deutschen Roten Kreuzes haben Außerordentliches geleistet, bestätigt Tillich die Leistung der Helfer anerkennend.

Und darum präsentiert sich der Freistaat Sachsen heute mit Freude und Stolz zum Tag der Deutschen Einheit hier in der Prager Botschaft.”

Insgesamt waren es rund 15.000 Flüchtlinge die auf diesem Weg in drei Wellen Tschechien verließen. Herrschte Anfangs noch die Sorge “das sich die Gegenkräfte in Ostberlin” so Genscher, dem Freiheitswillen widersetzten, wurde die Ausreise Anfang November als so einfach wie möglich gestaltet, erinnern sich Botschaftsangestellte. Die Flüchtlinge waren dann nicht mehr gezwungen über die DDR das Land zu verlassen, sondern konnten gleich nach Bayern ausreisen.

Das die Sorge nicht unbegründet war, bewiesen das gewaltsame Vorgehen der DDR-Führung gegen Demonstranten entlang der Zugstrecke in Sachsen und Thüringen, insbesondere die extremen Gewaltakte des Staatsicherheitsdienstes der DDR und der DDR-Polizeikräfte am Dresdener Hauptbahnhof.

Weiterführende Links

Die Friedliche Revolution: Magazin & Medienmonitor
Eine Übersicht über die Ereignisse der friedlichen Revolution

Beitrag: Prag – Feierstunde zum 20. Jahrestag der Ausreise-Verkündigung
(tagesschau 20:00 Uhr, 30.09.2009)

Aus dem Archiv: Die ZDF-heute-Nachrichten vom 30.09.1989: hier

Aus dem Archiv: Die ARD-Tagesschau vom 30.09.1989: hier

(nk)